B 9 Ortsumgehung Nierstein
Projekt: Neubau der Ortsumgehung NiersteinGrund der Maßnahme / Planrechtfertigung
Die Bundesstraße 9 ist eine wichtige regionale und überregionale Verbindung zwischen Ludwigshafen, Worms und der Landeshauptstadt Mainz. Für die Rheingemeinden nördlich von Worms, wie beispielsweise Osthofen, Guntersblum und Oppenheim, ist die B 9 die wichtigste Straßenachse ins Oberzentrum Mainz und ins Rhein-Main-Gebiet. Entsprechend hoch ist die Verkehrsbelastung.
In den vergangenen Jahrzehnten wurden bereits mehrere Ortsumgehungen gebaut. Die Umgehung von Guntersblum in den 1990er-Jahren und zuletzt ab Dezember 2007 die Verlegung der B 9 für die Orte Ludwigshöhe, Dienheim und Oppenheim. Dies führte in den Gemeinden zu einer deutlichen Verringerung der Umweltbelastungen durch den Straßenverkehr und damit zu einer Verbesserung der Lebensqualität für die dort lebenden Menschen.
Die letzte verbliebene Ortsdurchfahrt zwischen Mainz und Worms führt bis heute durch die Weinbaugemeinde Nierstein. Die Bundesstraße 9, auf der heute bis zu 22.000 Fahrzeuge am Tag gezählt werden, trennt den Ort vom Rhein ab. Die fast täglich zu beobachtenden Verkehrsstauungen und die durch die große Verkehrsmenge verursachten Lärm- und Schadstoffbelastungen schränken die Lebensqualität erheblich ein.
Seit Jahrzehnten gibt es daher Überlegungen und Planungen, Nierstein vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Wegen der schwierigen topografischen Lage des Ortes, der auf der Ostseite vom Rhein begrenzt und auf der Westseite von ansteigendem Gelände eingefasst wird, gibt es keine einfachen technischen Lösungen.
Unter Beteiligung der Gemeinde und der Bürger wurden verschiedenste Varianten entwickelt und bewertet.
Aktuelle Situation - Vorbereitung des Raumordnungsverfahren
Für die Ortsumgehung Nierstein sollen drei Planungsvarianten in das sogenannten Raumordnungsverfahren eingebracht werden. Die ursprüngliche Planungsvariante "Kleiner Ring" wird nicht weiterverfolgt und ist daher nicht Gegenstand des Raumordnungsverfahrens. Im Raumordnungsverfahren haben alle Beteiligten die Möglichkeit, Stellungnahmen, Anregungen und Einwendungen zu den einzelnen Varianten einzubringen. Weitere Informationen zum allgemeinen Ablauf einer Straßenplanung und zum Raumordnungsverfahren finden Sie hier.
Diese Varianten sind das Ergebnis umfassender Untersuchungen, die folgendes beinhalteten:
- Technische Planungen der verschiedenen Varianten
- Verkehrstechnische Untersuchungen
- Lärmuntersuchungen
- Umweltverträglichkeitsstudie
- Städtebaulicher Fachbeitrag
Gegenstand des Raumordnungsverfahrens:
Variante 2 "Modifizierter Kleiner Ring"
Die Variante 2 - "modifizierter Kleiner Ring" – stellt die direkte Weiterentwicklung von Variante 1 dar und führt ebenfalls als Umgehungsstraße der B 9 westlich um Nierstein herum. Aufgrund näherer Untersuchungen, Erkenntnissen aus der Umweltverträglichkeitsstudie und Abstimmungen mit der Gemeinde wurden zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen u. a. ein Tunnel im Bereich des Baugebietes "Roßberg" und ein Landschaftstunnel im Bereich des "Roten Hanges" vorgesehen.
Die Variante 2 beginnt im Süden von Nierstein in Höhe der Feuerwehr und durchquert den Steinbruch bis zur Anschlussstelle mit der B 420. Südlich des Baugebiets "Roßberg" verläuft die Trasse bis zur K 45; die Kreisstraße wird ebenfalls an die Variante 2 angeschlossen. Von der K 45 quert die Trasse den "Roten Hang" und verläuft zurück zur B 9, um nördlich von Nierstein in Höhe der Kläranlage wieder an die bestehende Trasse anzuschließen.
Technische Daten:
| Länge | 5900 Meter |
| Kosten | 72 Millionen Euro |
| Verkehrbelastung 2020 | 22.300 Kfz/24 Stunden |
| Bauwerke | 9 Brücken, Tunnel Roßberg, Tunnel Roter Hang, Lärmschutzwände |
| Bemerkungen | Anbindung der B 420 und der K 45 |
Variante 3 a/b "Bahnparallele Lösung mit B 420-Zubringer"
Die Variante 3 - "bahnparallele Lösung" - verläuft parallel zur Bahnlinie von der Abzweigung der Wörrstädter Straße über den ehemaligen Güterverladebereich zur B 420. Nach Querung der B 420 verläuft die Strecke weiter entlang der Bahn bis zum nördlichen Ortseingang, um dort wieder auf die alte Trasse der B 9 einzuschwenken.
Für diese Variante müssten das Empfangsgebäude des Bahnhofs und insgesamt 26 Wohn- und 20 Nebengebäude abgebrochen werden.
Die Bezeichnung "a/b" benennt bei der „bahnparallelen Lösung“ jeweils die beiden unterschiedlichen Zubringer-Varianten für die B 420. Variante 3a bezeichnet den am nördlichen Steinbruchrand verlaufende Zubringer von der B 9 zur B 420. Variante 3b die geradlinig durch den Steinbruch verlaufende Zubringer-Variante.
Technische Daten:
| Länge B 9 Zubringer a Zubringer b |
1720 Meter 2496 Meter 2345 Meter |
| Kosten Variante a Kosten Variante b |
61,2 Millionen Euro 69,0 Millionen Euro |
| Verkehrbelastung 2020 | 17.400 bis 27.500 Kfz/24 Stunden |
| Bauwerke | 6 Brücken, Lärmschutzwände |
| Bemerkungen | Abriss von Wohngebäuden und dem Empfangsgebäude des Bahnhofs |
Variante 5 a/b "Tunnel unter Rheinvorgelände"
Die Variante 5 - "Tunnel unter Rheinvorgelände" - verläuft von Süden kommend ebenfalls wie Variante 3 bis zum heutigen Bahnübergang "Wörrstädter Straße". Ab hier taucht die Trasse der B 9 über ein nach oben hin offenes Trogbauwerk (Länge ca. 250 Meter) ab in den geschlossenen Rheinufertunnel. Die Länge des Tunnels beträgt rund 1290 Meter. Am nördlichen Ortsausgang wird die B 9 ebenfalls wieder über ein Trogbauwerk (Länge ca. 210 Meter) aus der Tieflage hoch geführt und an die bestehende Trasse angeschlossen.
Die Führung der jeweiligen "a/b-Zubringer-Varianten“ ergibt sich aus der Beschreibung zu den Varianten 3 a/b.
Technische Daten:
| Länge B 9 Zubringer a Zubringer b |
2075 Meter
2496 Meter 2345 Meter |
| Kosten Variante a Kosten Variante b |
84,4 Millionen Euro 92,2 Millionen Euro |
| Verkehrbelastung 2020 | 16.800 bis 27.500 Kfz/24 Stunden |
| Bauwerke | 1 Tunnel, 2 Trogbauwerke |
| Bemerkungen | Der Tunnel wird in offener Bauweise hergestellt und anschließend oben abgedeckt. |
Für eine Übersicht über die Varianten bitte auf das Bild klicken:



